
Seit einen Monat bereisen wie Sardinien. Angekommen am südwestlichen Zipfel der schönen Insel, jetzt befinden wir uns am nordöstlichen Punkt der Insel. Wir haben die Süd- und Westküste kennengelernt, eine urbane, wilde und liebliche Gegend, dünn besiedelt und kaum touristisch erschlossen. Die Nord- und Nordostküste ist ein Wassersport- und Strandparadies, hier ist es dichter besiedelt, touristischer und nobler.
Diese Insel ist gepflegter, an Land liegt viel weniger Müll herum, das Meer ist sauber. Die Abfalltrennung wird hier sehr ernst genommen. Auf dem Schiff ist es nicht immer einfach, vor allem die Bioabfälle, separat zu sammeln. Der Wind und die Wellen haben sich an der Westküste, entgegen unseren Befürchtungen, sehr zahm gezeigt. Wir können oft segeln, meist hat es ein paar Knoten mehr Wind, auch wenn Flaute angesagt war. Die Mittelmeerdünung hat uns sanft hochgehoben und wieder hinuntergleiten lassen, obendrauf die Windwellen. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Atlantik?
Die Auswahl an Anlegestellen oder sicheren Anlegeplätzen ist in dieser Gegend begrenzt. Es gibt deshalb oft lange Segeltage und zum Ausgleich längere Landaufenthalte. Schliesslich ist es nicht nur auf dem Wasser schön.






Auf Sardinien hat es wenig geregnet. Die Wiesen und Äcker sind braun, wie wir es vom Herbst kennen. Aus diesem Grund freuten wir uns mit den Einheimischen über die gelegentlichen Regengüsse.
Wir fahren an bizarre Felsenküsten in den verschiedensten Farben und Formen, steilen, hohen Klippen mit Höhlen oder an flachen Strände mit feinem Sand oder schneeweissen Kieseln vorbei. Die Vegetation reicht oft bis zum Meer hinunter, es hat lange menschenleere Küstenabschnitte und hübsche Orte ohne Hotelbunker.
Alle Orte die wir besucht haben, sind durchaus sehenswert. Manchmal ist es die Lage, die Umgebung, die weissen feinen Sandstrände, das karibische Wasser, die historischen Stätten, die bunten Häuser, das Treiben in den Gassen oder einfach die Atmosphäre, die den Aufenthalt besonders machen.
Die sardinische Küche ist sehr schmackhaft und es findet sich immer was auf der Speisekarte, auch ohne Fleisch oder Fisch. Auch das Gelati und die Dolce sind verführerisch.
Ein paar besondere Ziele auf unserer Sardinien Reise.
Nach der langen Überfahrt zum äussersten Südzipfel Sardiniens, schlafen wir zuerst aus. Dann fahren wir mit dem Bus der Küste entlang nach Caligari um einzuklarieren. Wir werde dahin und dorthin geschickt, die Sohlen sind schon heiss, bis wir endlich bei der richtigen Behörde sind. Zum Glück bleibt noch Zeit um die sehenswerte Stadt zu besichtigen.








Nächsten Tags lösen wir die Leinen und fahren der Südküste entlang westwärts. Im Bereich eines militärischen Sperrgebiets sind gerade Manöver mit Schiessübungen. Marineschiffe kreuzen unseren Kurs. Per Funk werden die Seefahrer gewarnt, Wir halten uns an die Verbote und halten gehörig Abstand, wollen schliesslich nicht Ziel der Schiessübungen werden. Das sehen aber nicht alle so. Wir verfolgen den Funkverkehr zwischen einer Privatyacht und der Marine. Der Skipper wird aufgefordert den Kurs zu ändern, da er sich in der Verbotszone befände. Dieser ist der Meinung, dass er sich im internationalen Seegebiet bewegt und er sich aufhalten kann, wo er will. Es geht hin und her zwischen den Gesprächspartnern. Schliesslich sagt der Marineoffizier, er könne machen was er will, er befinde sich in der Schusslinie und sie werden die Schiessübungen wie geplant durchführen. Danach ist Funkstille.
An der Südwestküste liegt San Pietro, eine von mehreren vorgelagerten Inseln, die wir mit unseren Fahrräder erkunden. Wir fahren durch Hügellandschaft, an traumhaften Stränden, zerklüfteten Klippen und Salinen mit Flamingos vorbei. Unser Liegeplatz ist in einer feinen kleinen Stadt-Marina in Carloforte, wo ausgezeichnete Tunfischgerichte serviert werden.
Von hier aus geht unser Kurs nordwärts, der Westküste entlang. Delfine sehen wir keine mehr, dafür treiben tausende kleine Segelquallen an unserem Rumpf vorbei.

Wetterbedingt ist in Oristano ein längerer Aufenthalt angesagt. Wir packen unsere Velos aus und radeln durch die Gegend. Wilde Natur, gelbe Weizenfelder, schöne schneeweisse Kieselstrände, Lagunen, eine Ausgrabungsstätte und Wehrtürme gibt es zu bewundern. Am Abend haben wir fast 60 km in den Beinen.
Weiter nördlich liegt Bosa, dort liegt die Marina in der Flussmündung. Wir gönnen uns fantastisches Essen, über der Stadt thront eine Burg mit toller Aussicht, die kleine Stadt mit den verwinkelten Gassen und farbigen Häusern und schöne Spazierwege machen unseren Aufenthalt angenehm.
Alghero ist eine hübsche mittelalterliche Stadt. Sie ist fest in der Hand der Touristen, hat aber ihren Charme bewahrt. Von einer massiven Seemauer ist die quirlige Altstadt umgeben, am Fusse liegt der grosse Yachthafen. Dort geniessen wir die Zeit mitten im Getümmel. Schön ist es, in entspannter Atmosphäre auf der Stadtmauer, mit Blick auf unser Boot und den Sonnenuntergang, einen Aperitivo zu trinken und mit den Leuten zu plaudern.
Bei schwachem Wind unter Blister-Besegelung erreichen wir den nordwestlichen Punkt unserer Reise. Durch die Fornelli-Passage müssen wir vorsichtig navigieren. Landmarken, die in einer Linie sein müssen, weisen uns den Weg durch die Untiefen. Wir sind überwältigt, die sardinische Karibik erwartet uns. Wir werfen den Anker und bleiben 2 Nächte in diesem Paradies.

Ca. 40 Segelmeilen später liegt backbord Sardinien, steuerbord Korsika.
Bis anhin sind wir vom Mistral verschont geblieben, jetzt kündigt sich einer an. Wir laufen die Marina Santa Teresa di Gallura an und warten ihn 4 Tage lang ab. Langweilig wird es trotzdem nicht. Wir wandern durch die Klippen und schauen aufs Meer, wo sich die Wellen türmen. Schmale Wege durch die Macchia, tosende Brandung und bizarre Felsformationen faszinieren uns. Am Abend sind wir 15 km durchs Gebüsch gestreift. Am 2. Tag, bei Windstärke 7-8 Bf, bleibt sogar die Fähre nach Bonifacio im Hafen, Wir liegen sicher, es schaukelt ein wenig, die Riggs klappern und der Wind bläst uns direkt ins Cockpit. Ein Veloausflug zum Leuchtturm Capo Testa und nette Gespräche mit andern Leidensgenossen, macht die Warterei erträglich.




Weiter östlich beginnt das Segelparadies Sardiniens mit dementsprechend grösserer Aktivität auf dem Wasser und an Land. Zahlreiche Jachten mit erfahrenen und weniger geübten, mit rücksichtsvollen und rücksichtslosen Skippern am Ruder. Es kreuzen Fähren, Megajachten, Segelboote, Motorboote und schnelle Gummiboote, dazu noch Kitsurfer und Wingfoiler. Nach Wochen in ruhigen Gewässern ist die Lebendigkeit auf See ungewohnt für uns. Trotzdem gibt es immer noch genügend Möglichkeiten die Nacht zu verbringen. Die vielen traumhaften Buchten mit türkisfarbenem Wasser laden zum kostenlosen Ankern ein. Die Preise der Marinas bewegen sich von 22 Euro pro Nacht bis 240 Euro an der Costa Smeralda, wo sich die Reichen und Schönen tummeln.
Unser Törnplan richtet sich nach dem Wind. Leider müssen wir die Nordküste mit den vorgelagerten Inseln des La Maddalena Archipels früher als gewünscht verlassen.
In der Strasse von Bonifacio verstärkt sich Wind und Welle, wir setzen bei rauer See nach Korsika über.
