Frühling 2024 Kalabrien – Sizilien

Anfangs April reisen wir dem Zug nach Rom. Zwei Tage streifen wir durch die Stadt, bestaunen die unglaublich vielen Kirchen, den Petersdom und andere Bauwerke.

Mit vielen Eindrücken verlassen wir die quirlige Großstadt und fahren nach Kalabrien in die Marina.

Unser Schiff steht zwar dreckig, aber wohlbehalten am Steg. Wir nehmen uns Zeit das Schiff für die Fahrt auf Vordermann zu bringen, packen unserer neuen Klappvelos aus und testen sie ausgiebig. Das anfangs sommerliche Wetter verschlechtert sich, es hat viel Wind und erst noch von der falschen Seite. Wir müssen auf ein günstiges Wetterfenster warten. Das stört uns nicht besonders, denn hier kann man gut verweilen.

Fast 2 Wochen nach unserer Abreise ist es soweit, wir lösen morgens um Vier die Leinen. Mehrmals begleiten uns Delfine, sooo schön. Eine angenehme Segelbrise schiebt uns der Südküste entlang in die Strasse von Messina. Nach 60 sm legen wir im sicheren Hafen von Reggio Calabria an.

Nach einem Tag Starkwind-Pause passieren wir bei Sonnenaufgang die Meerenge zwischen dem Festland und Sizilien. Immer wieder eindrücklich, wie sich das Wasser durch den engen Kanal drückt. Von nun an segeln wir westwärts, der Nordküste Siziliens entlang. Hier gibt es nur einige Ankerplätze und Marinas, einige öffnen erst am 1. Mai. Wir müssen immer schauen wo wir unterkommen, ungeachtet der Preise. Es gibt Tage, da segeln wir durch eine raue See mit starker Brise, dann wieder motoren wir durch eine Flaute. Eine abwechslungsreiche Küste zieht an uns vorüber, wir können sogar den schneeweissen Gipfel des Ätna hinter den Bergen erkennen.

Wir gönnen uns 3 Nächte in der Stadtmarina von Palermo. Letztes Jahr wurde das ganze Hafengelände erneuert. Die moderne Anlage mit Geschäften und Restaurants hat sich zu einem beliebten Treffpunkt der Bevölkerung entwickelt. Die Stadt selber ist unglaublich. In der Altstadt tummeln sich Touristen und Einheimische, Töffs und Dreiradautos (Piaggo Ape) bahnen sich einen Weg durch die Menschenmenge. Es ist ein fröhliches Treiben, die Leute sitzen in Bars beim Caffè oder Apéro oder schauen sich in den unzähligen kleinen Läden um. Hier gibt es enge Gassen, quirlige Einkaufsstrassen, grossartige Palazzi und Kirchen, ruhige Plätze und fabelhafte sizilianische Köstlichkeiten. Am 2. Tag ist Feiertag, es sind noch mehr Menschen unterwegs, wir fliehen in den botanischen Garten, bevor wir uns am Abend wieder ins Getümmel wagen.

Mit vielen Eindrücken steuern wir weiter Richtung West zum Capo San Vito und nach Trapani. Auch diese Stadt ist absolut sehenswert. Mit unsern neuen Fahrrädern fahren wir quer durch die Stadt zu der Gondelbahn, die uns samt Velos, nach Erice fährt. Grandiose Aussicht auf Trapani, aufs blaue Meer und zu den Hügeln im Hinterland, über die grosse Ebene südlich der Stadt bis zum Weinanbaugebiet von Marsala, auf den grossen Hafen und die Salinen. Wir schlendern bergauf durch die kleinen Gassen des antiken Städtchens, bevor wir uns die über 800 Höhenmeter lange Abfahrt durch die grüne, blühende Vegetation wagen. Wir fahren an den Salinen und am Frachthafen vorbei zu unserer kleinen, gemütlichen Marina. Die nordwestliche Ecke Siziliens hat viel zu bieten. Gerne würden wir länger hier verweilen und auch noch die Egadischen Inseln anlaufen. Aber, ein gutes Windfenster zur 170sm entfernten Insel Sardinien lässt uns abends um 10 Uhr die Leinen lösen.

Wir fahren mit achterlichen Wind in die Nacht hinein, die Lichter der Inseln verschwinden langsam. Es ist Neumond, nur tausende Sterne am Himmel, dunkel, aber wunderschön. Der Wind frischt wie vorausgesagt auf 4 Bf auf und schiebt das Boot in die offene See. Am Morgen werden die Wellen höher, der Wind erreicht eine Stärke von 6 Bf. Den ganzen Tag schaukeln wir in den Wellenbergen, unsere ALEXA läuft gut. Über Funk können wir eine Rettungsaktion vor Lampedusa verfolgen. Es dümpelt ein Boot ohne Motor mit 50 Menschen an Bord in der See. Das stimmt nachdenklich.

Ich habe ein Gulasch vorgekocht, richtig Kochen ist fast nicht möglich, aufwärmen geht gerade. Zum Glück sind wir eine seefeste Crew.

Nix ist los, kein Schiff, seit 24 Std. nur Wasser und Wellen, bis kurz vor Eindunkeln eine grosse Delfinschule über eine Stunde immer wieder neben und vor dem Schiff auftaucht. Elegant flitzen sie durchs Wasser, springen hoch und tauchen wieder unter. Auch andere Fische springen aus dem Wasser, manchmal brodelt es richtig. Vermutlich sind sie auf der Flucht vor den jagenden Delfinen. Unglaublich, faszinierend, schön. Willi hat sich aufs Ohr gelegt und bekommt von diesem Spektakel leider nichts mit.

In der 2. Nacht flaut der Wind ab, aber die Wellen bleiben. Segeln wäre möglich, aber nicht bei diesem Seegang. Die schlagenden Segel werden eingerollt und der Motor gestartet. In dieser Nacht ist es kühl und ungemütlich, dafür können wir schon Lichter Sardiniens am Horizont erkennen. Wir wechseln uns im Cockpit ab, so kann sich immer einer in der kuschligen Koje erholen. In der Dämmerung dreht der Wind und nimmt zu, wir können wieder segeln. Die letzten Meilen müssen wir noch aufkreuzen. Morgens um halb Zehn machen wir nach 36 Std in der Marina Villasimius auf Sardinien fest.

Uns hat Sizilien, die Menschen und Orte sehr gefallen und die Küche lieben wir. Jetzt freuen wir uns darauf, Sardinien zu entdecken.

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