
Anfangs September, nach den Sommerferien in der Schweiz, fahren wir zurück zum Schiff. Wir möchten Sizilien umrunden, das ist jedenfalls unser Plan. Ein Freund und unsere Familie haben sich angekündigt. Sie werden einige Tage mit uns auf dem Schiff verbringen. Wir freuen uns darauf.
Nachdem wir unsere Liebsten geknuddelt haben, fahren wir mit dem Zug nach Mailand. Nach kurzem Aufenthalt besteigen wir den Nachtzug, der uns entspannt und pünktlich nach Lamezia Terme bringt. Ein Taxi fährt uns zur Marina. Unser Schiff schaukelt wohlbehalten im Wasser und wir machen uns an die Arbeit. Als erstes kontrolliert Willi unsere neuen Batterien. Oh je, sie sind komplett entleert und lassen sich nicht laden. Was machen wir jetzt? Notstromversorgung, Mails, Telefonate und Suche nach Lösungen. Fazit, mit einem speziellen Ladegerät könnten die Batterien soweit geladen werden, dass sie wieder normal vollgeladen werden können. Aber in Süditalien ist nirgends ein solches Gerät aufzutreiben. Der Händler in Split ist unsere Rettung. Dank seinen Angaben können wir bei Amazon ein passendes Ladegerät bestellen. Es wird tatsächlich in einem Tag in die Marina geliefert und es funktioniert. Kostenpunkt 150 Euro. Willi installiert einen Internet-Router, damit werden wir in Zukunft unsere Batterien von Zuhause aus überwachen können. Mit einem Jeep erkunden wir die Gegend und machen einen Ausflug in den «Parco Nationale Aspromonte».


Mit leichtem Segelwind gleiten wir der Südküste Kalabriens entlang. Bei ruhiger See und lauem Lüftchen ankern wir nach 30 sm. Für das erste Mal ganz schön sportlich. Wir springen vom Boot ins warme Meer, schwimmen ums Schiff, kochen und geniessen das Essen im Cockpit. Andreas schläft wie ein Murmeltier.
Was gibt es Schöneres, als unter Blister, begleitet von Delfinschulen und springenden Schwertfischen durch die blaue See zu segeln, Bug voran Sizilien mit dem dampfenden Ätna? Kurz vor Sonnenuntergang machen wir in der Bucht von Taormina an einer Boje fest.









Wir bleiben einen Tag und schauen uns das, auf dem Ausläufer des Monte Tauro gelegene Städtchen Taomina, mit dem antiken «Teatro Greco» an. Auf Südkurs führt uns der Törn zuerst zur alten, pulsierenden Hafenstadt Catània mit dem prächtigen Dom. Dann in das bezaubernde Siracusa mit ihrer, aus hellen Steinen gebauten Altstadt. Dort verlässt uns unser Gast nach 300 Seemeilen und mit vielen Erlebnissen und neuen Erfahrungen wieder. Es war eine sehr schöne Segelwoche zu Dritt auf der Lady.








Wir schippern südwärts in die Marina Marcameni. Der Wind zwingt uns hier zu einem Aufenthalt. Es ist ein ruhiger, beschaulicher Ort, er gefällt uns. Die Marina stellt ein altes, klappriges Auto gratis zur Verfügung. Wir nutzen es für einen Ausflug nach Noto. Das barocke Städtchen mit seinen sandsteinfarbenen Palästen, Kirchen und Palazzi ist beeindruckend.





Viel Wind auf die Nase, so die Wettervorhersage für den Süden. Das macht keine Freude, wir drehen um und lassen die Südküste Siziliens links liegen. In der Bucht von Taomina sehen wir einen Holzmast aus dem Wasser ragen. Oh je, ist das Holzschiff gesunken, welches bei unserem letzten Besuch vor Anker lag? In der kleinen Bilge beim Mast hat es Salzwasser, das gefällt uns nicht. Wir können keinen Grund erkennen, trocknen aus und beobachten es genau. Auf dem langen Schlag nach Reggio Calabria begleiten uns immer wieder Delfine.



In der Strasse von Messina gibt es starke Strömungen. Wir müssen darauf achten, mit dem Strom zu fahren, daher brechen wir früh auf. Wir fahren 5 kn über Wasser und 9.8 kn über Grund. Eindrücklich sind auch die gut sichtbaren Verwirbelungen in der Meerenge von Messina. Heutzutage haben die Schiffe einen starken Motor, da macht die Passage selten Probleme sofern man die Seefahrer-Regeln einhält und auf den regen Fährverkehr achtet. Wir können uns aber gut vorstellen, dass die früheren Seeleute diese Passage gefürchtet haben.
Wieder Wasser in der Bilge, kein schweres Wetter, keine Schräglage, wir müssen in eine Werft. In Tropea gibt es eine Cantieri mit gutem Ruf. Wir fahren hin und heben das Boot aus dem Wasser. Auf den ersten Blick sieht alles gut aus, aber woher kommt das Wasser?



Der Bootsbauer findet eine weiche Stelle vorne am Rumpf. Er schleift alles ab und macht Löcher. Tatsächlich kommt Wasser raus. Bevor die Stelle repariert werden kann, muss sie austrocken. Das dauert. Wir nehmen uns ein Zimmer in der quirligen, hübschen Altstadt auf dem Fels. In einer Woche kommen die Kinder zum segeln und wir haben das Boot auf dem Trockenen, was machen wir jetzt? Eine Wohnung auf den Liparischen Inseln mieten. Simon schlägt vor, ein Schiff zu chartern. Wir suchen in der Marina, da gibt es nur einen riesigen Katamaran. In Reggio Calabria werden wir fündig und chartern eine Bénéteau Oceanis 45. Das Schiff ist nicht alt aber sieht lädiert aus, es ist halt Saisonende. Für uns ist es ein Abenteuer, ein fremdes und grosses Schiff zu steuern.
Nachdem unsere Familie das Boot in Beschlag genommen hat, gehen wir essen und einkaufen. Wir kriechen früh in die Kojen, denn wir wollen wegen der Strömung noch bei Dunkelheit auslaufen. Während ein Teil der Crew noch schläft fahren wir nordwärts durch die Strasse von Messina. Nach 12 Stunden fällt unser Anker auf schwarzem Sand in einer Bucht auf Vulcano. Nach dem Bad im warmen Meer bleibt und nicht mehr viel Zeit den Vulkan vor Sonnenuntergang zu besteigen. Der steile, mühsame Weg hinauf ist anstrengend. Die Mühe hat sich gelohnt, der aus mehreren Löchern dampfende Krater und die Aussicht während die Sonne im Meer versinkt ist atemberaubend.


Das Boot ist in einem schlechteren Zustand als gedacht. Batterie-Alarm, ein Autopilot der hin und wieder ausfällt, Wasser auf dem WC Boden und eine defekte Ankerwinch. Willi telefoniert mit dem Eigner, die Batterie kann nicht leer sein, nach dieser langen Motorfahrt. Nach Lipari ist es nur ein kurzer Schlag, wo sich morgen jemand um das Batterieproblem kümmern wird. Während die Batterien ersetzt werden, müssen wir einen Tag auf der Insel bleiben. Hier kann man gut verweilen, es ist schön. Mit dem Dinghi fährt unsere Familie zum schnorcheln in eine benachbarte Bucht. Am Abend besuchen wir das Städtchen und essen in einer Pizzeria. Wir müssen auch noch frische Lebensmittel einkaufen. So viele Leute verputzen eine Menge.
Stromboli bei Nacht umrunden, dass ist unser heutiges Vorhaben. Wir können uns daher mit dem Ablegen Zeit lassen, sogar ein Badestopp bei einer einsamen Insel liegt drin. Je näher wir dem Vulkan kommen und je dunkler es wird, desto spektakulärer sieht die rote Fontäne, die der Vulkan mehrmals pro Stunde ausspuckt, aus. Auch ein Grollen vor dem Ausbruch ist zu hören.








Schön ist in dieser Nacht auch das fluoreszierende Plankton in der Bugwelle zu sehen. Einfach faszinierend und einmalig für uns alle an Bord. Wir legen um halb neun an einer Boje an, es ist stockdunkel. Am nächsten Morgen gibt es kaum Wind, der Motor muss uns zum Festland schieben. Es ist zwar laut, aber nicht langweilig. Wir stoppen im offenen Meer um zu baden. Später surfen Delfine in unserer Bugwelle und wenig später begleitet uns eine weitere Delfinschule. Anina entdeckt weit draussen einen «Blas» von einem Wal, was uns hellauf begeistert.






Das Wasser vor dem Strand in Tropea ist türkisblau, wir lassen den Anker fallen und hüpfen hinein, bevor wir in der Marina festmachen. Auch unserer Familie gefällt Tropea, vor allem das himmlisch schokoladig-süsse Gelato Tartufo. In den nächsten 3 Tagen segeln wir mit mal viel, mal wenig Wind zurück nach Reggio Calabria. Dort gehen wir mit schönen Erinnerungen von Bord der AGILES. Unsere Kinder reisen nach Hause und wir mit dem Zug nach Tropea zu unserem Schiff und ins Hotel. Es dauert noch mind. 1 Woche bis unsere Alexa wieder ins Wasser kann. Obwohl es sich in Tropea gut leben lässt, beschliessen wir, mit Zug und Rucksack nach Sizilien zu fahren. Eindrücklich ist der Verlad des Zuges auf die Fähre von Villa San Giovanni nach Messina. Wir wollen den Ätna mit der Schmalspurbahn umrunden. Genau an diesem Tag ist der Ätna wolkenverhangen, wir besuchen stattdessen Catania. Am nächsten Tag scheint die Sonne, nur hat leider der Zug seinen freien Tag. Wir mieten kurzerhand ein Auto und fahren hinauf zum grössten Vulkan Europas. Schon die Fahrt durch den «Parco dell’Etna» ist ein Erlebnis. Die kurvenreiche Strasse ist von Bergkiefern und Edelkastanien gesäumt, weiter oben wachsen flache, blühende Büsche in schwarzer Erde.







Bei der Talstation der Seilbahn, kraxeln wir über die Lavafelder und auf die Krater und geniessen die Aussicht auf Vulcan und Meer. Es ist so eindrücklich und obwohl wir 65 Euro/Pers berappen müssen, wollen wir ganz hinauf. Zuerst mit der Seilbahn, dann kurvt uns ein Unimog noch weiter durch die faszinierende feinsandige Lavalandschaft. Das letzte Stück ist nur zu Fuss mit einem Führer zu bewältigen. Schlussendlich stehen wir dick eingepackt auf über 2900 üM und bestaunen die dampfenden Gipfelkrater vor dem Hintergrund eines tiefblauen Himmels.
Zurück in Tropea können wir nach 3 Wochen unser Schiff wieder ins Wasser lassen. Das Unterwasserschiff ist repariert, geschliffen und der Rumpf glänzt. Es ist schön wieder in unserer Koje zu schlafen.
Die Rückfahrt zur Marina belohnt uns mit schönstem Segelwetter. Ein weiteres Mal fahren wir unter Motor durch die Strasse von Messina nach Reggio Calabria, dann in einem Schlag nach Roccella Ionica. Wir haben wieder etwas Salzwasser in der besagten Bilge und unter dem Kleiderschrank. Es kommt eindeutig von einer undichten Pütting. Wäre die Reparatur am Rumpf nicht nötig gewesen? Gemütlich machen wir unser Schiff winterfest und dichten auch die Püttings neu ab, bevor wir nach Hause fahren. Es war ein Erlebnisreicher Herbstörn mit viel Unvorhergesehenem.